Der „Bamberger Dom“. Zeigen der originalen Turmspitzen und der früheren Glasfenster

Beim ersten Blick auf die Silhouette des Bamberger Doms wirken die Turmspitzen original bzw. aus gotischer Zeit. Vielen ist nicht bekannt, dass die vier Turmhelme in den Jahren 1765-1768 verändert bzw. angeglichen wurden. Kann man von einer Zerstörung sprechen?

In einem Anflug von spätbarocker bzw. Rokoko-Arroganz wurde auch noch der Dachreiter auf dem Längs-Schiff entfernt. Wir zeigen die Türm-Paare der Ost- und Westseite in ihrer ursprünglichen Optik – und bringen auch wieder den Dachreiter zurück. Die Turmdächer wirken nicht mehr so spitz-aggressiv. Sie strahlen mehr „Schönheit“, Ruhe und Individualität aus.

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Zum Einstieg der rekonstruierte Blick auf die originale Optik der Türme und des Dachreiters. So könnte die Fassade früher ausgesehen haben. Wir gehen von Blei-Dächern aus (schwerer und windstabiler als Dachziegel und auch feuersicherer).

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Hier der Blick auf den Bamberger Dom aus dem Jahre 1482. Diese Abbildung zeigt das frühere Aussehen der Bamberger Domtürme. Das Ölbild haben wir horizontal gespiegelt.

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Hier die östlichen Turmhelme im direkten „Damals-Jetzt-Vergleich“. Die alten Spitzen hatten für uns etwas von einer Bischofshaube. Demütig und optisch zurückhaltend. Die jetzigen Turmhelme erinnern uns an Speerspitzen. Aggressiv und arrogant. Für die neue Helme wurden die Türme um ein Geschoss erhöht – um so mit den westlichen Türmen auf die identische Höhe zu kommen. Diese waren Jahrhunderte lang immer höher gewesen.

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Der Blick auf die westlichen Turmhelme im direkten „Damals-Jetzt-Vergleich“: die alten Spitzen (links) waren mehr als 500 Jahre zu sehen (zirka 1235-1765). Sie wirken gotisch und „mittelalterlich“. Die jetzigen Turmhelme sind für uns optisch gelungen – sie wirken filigran und von einer gewissen Warte aus modern. Die westlichen Türme behielten ihre Höhe -nur der Dachansatz wurde abgeändert.

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Im Vergleich hierzu der rekonstruierte Blick auf die originale Optik der vier Turmhelme. So könnten diese früher ausgesehen haben. Ohne Grünspan-Pantina, die sich mit den Jahren ansetzt, sehen Bleiplatten grau aus.

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Der Blick von Osten auf dem Dom (Georgschor). So sahen die Turmspitzen im Original aus.


Wir zeigen auch die Optik der früheren Glasfenster der Frühgotik im Dom. Hierfür wurden Bilder von erhaltenen Glasfenstern aus der Kirche St. Kunibert in Köln verwendet. Diese stammen aus einer ähnlichen Zeit wie ursprünglich in Bamberg. Im frühen 17. Jahrhundert wurden im Bamberger Dom die originalen bunten Fenster der Frühgotik durch helles (Fenster-)Glas ersetzt. Wurden die originalen Scheiben damals wirklich von diesen Kulturbanausen zerstört?

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Hier der rekonstruierte Blick auf den Georgschor im Bamberger Dom. Die Fenster haben einen dominanten Blauton.

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Zum Vergleich der rekonstruierte Blick auf den Michaelschor im Bamberger Dom. Die Fenster haben einen dominanten Gelbton.

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Oben: der aktuelle traurige Fensterglas-Blick in Richtung Norden (März 2020).
Mittig: der mögliche Blick in Bamberg bis Anfang des 17. Jahrhunderts. Dunkler, aber mit mehr Atmosphäre und Spiritualität.
Unten: der mögliche Kompromiss in der Zukunft: eine zentrale bunte Scheibe im Zentrum. Der Randbereich behält die Fensterglas-Optik – mehr Licht könnte dadurch hereinkommen.

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Zum Abschluss ein Nahblick auf drei erhaltene Fenster aus (spät-)romanischer Zeit (zirka 1220): aus der Kirche St. Kunibert in Köln. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde auch der Bamberger Dom mit Glasfenstern versehen. Daher könnte die Bamberger Glasfenster ähnlich denen in St Kunibert ausgesehen haben (Farben, Ornamentik und die dargestellten Themen).
Bis 1620 wurden im Bamberger Dom alle bunten Glasfenster entfernt und offensichtlich zerstört bzw. vernichtet. Was für ein Akt kultureller Brutalität! Dieser wurde von der damaligen katholischen Kirche selbst angeordnet und durchgezogen. Die Glasfenster zu entfernen ist das eine – sie für spätere Generationen nicht zu bewahren ist das andere. Menschliche Dummheit pur.