Gedenkstätte Brandenburg (Havel). Einblenden des richtigen Fallbeils. Rekonstruktion des Raums in der Optik von 1945

Von dem originalen Hinrichtungsraum im Gefängnis Brandenburg-Görden oder aktuell Brandenburg (Havel) rund 60 km westlich von Berlin existiert nach unserer Recherche nur ein einziges Schwarz-Weiß-Foto. Dieses zeigt einen Ausschnitt des Raums. Ansonsten gibt es nur Beschreibungen des ursprünglichen Raumes in Büchern sowie Zeugenaussagen.
Das verwendete Fallbeil vom Typ „T“ ist aber noch vorhanden – und soll sich im Depot des DHM (Deutsches Historisches Museum) in Berlin befinden. Von der Maschine selbst (ohne Bezug zum Gedenkraum) existieren Fotos (farbig u. schwarz-weiß).
Die aktuell im Gedenkraum ausgestellte Maschine vom Typ „Mannhardt“ war dort nie im Einsatz. Sie soll sie aus dem früheren Wehrmachtsgefängnis in Torgau (Elbe) stammen. Mit dieser Maschine wurden bis 1945 (und evtl. auch danach) Urteile vollstreckt.

Folgende Dinge werden wir nie mehr vergessen: den schwer zu beschreibenden muffig-stickigen Geruch und die Ausdünstungen im Raum sowie dessen Höhe; der dumpfe Aufschlag des Messerschlittens muss darin furchtbar und laut gehallt haben. Auch wirkt der Raum erlebt viel enger als er auf aktuellen Fotografien zu sehen ist. Hier wird mitunter mit Weitwinkel-Objektiven gearbeitet.

im Stravollzugsmuseum in Ludwigsburg b. Stuttgart steht ein ähnliches Fallbeil vom Typ „T“. Fotografien der Maschine aus dem August 2018 bauten wir nun in den Gedenkraum in Brandenburg (Havel) ein. Vorher mussten wir die Fotos etwas umgestalten (die Maschine in Brandenburg hatte kein Abdeckbleck für den Messerschlitten).

Mit insgesamt zwei Panorma-Aufnahmen und vier Schrägaufnahmen zeigen wir die aktuelle Optik im Gedenkraum in Brandenburg (Havel) – und zeigen den Raum erstmals in der originalen Optik bis Ende April 1945.

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Der aktuelle Blick in den Hinrichtungsraum: Stand 2. August 2018. Links ein riesiger Heizkörper aus der Nachriegszeit und die schrecklich-hässliche Glastüre. Rechts die Türe, durch die die Verurteilten den Raum betraten. Die optisch kaum zu beschreibende braune Wandfarbe stammt ebenfalls aus der Nachkriegszeit. Die Enge des Raumes bzw. der vormaligen Garage wird deutlich.

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Der historische bzw. rekonstruierte Blick in den Hinrichtungsraum: Stand 20. April 1945; an diesem Tag wurde das Fallbeil das letzte Mal verwendet. Die Optik des Fallbeils mit dem Messerschlitten ist historisch gesichert. Es existieren Fotos der Maschine. Auch das Garagentor im Hintergrund ist historisch gesichert. Es stammt von einem historischen Foto des Gefängnis-Areals vor 1945.

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Links der Blick auf das aktuell ausgestellte Fallbeil vom Typ „Mannhardt“ vom August 2018 und den seit 1945 misshandelten Raum. Eine unbeschreiblich hässliche Glas-Doppeltüre im 1970-er-Jahre-Stil sowie eine wirklich kackbr… Wandfarbe. Diese ist nicht original.
Rechts der identische Blick – nun aber in der von uns rekonstruierten Optik vom April 1945. Hier ist das „richtige“ bzw. seinerzeit verwendet Fallbeil vom Typ „T“ zu sehen. Nach Quellenlage soll halbhoch eine rote Wandfarbe vorhanden gewesen sein, um Blutspritzer optisch zu überdecken. Ursprünglich war auch ein Doppel-Garagentor vorhanden. Dieses wurde in den Nachkriegsjahren entfernt. Die Öffnung danach zugemauert. Warum nur hatte man diesen Raum so vergewaltigt?

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Hier der größere Blick in den Gedenkraum in der Optik vom 2. August 2018. Aber nun mit dem richtigen bzw. originalen Fallbeil-Typ „T“. T steht für die Haftanstalt Tegel in Berlin. Dort wurden diese Fallbeile gefertigt. DIESE ABBILDUNG IST VÖLLIG NEU. ES GIBT KEINE VERGLEICHBARE.

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Hier der identische Blick in den Gedenkraum in der Optik vom 27. April 1945. DIESE ABBILDUNG IST VÖLLIG NEU. ES GIBT KEINE VERGLEICHBARE. Die halbhohe rote Wandfarbe ist keine Erfindung von uns. Sie ist historisch gesichert.

Links der aktuelle Blick in den Gedenkraum vom August 2018. Mit dem falschen Fallbeil-Typ („Mannhardt“). Rechts eine Bildmontage, die das richtige bzw. original vorhandene Fallbeil („T“) zeigt. Über die roten Hilfslinien lassen sich die Höhen vergleichen. Das linke Fallbeil war rund 2,42 m, das rechte rund 10 cm niedriger bzw. kürzer.


Ein Blick in den derzeitigen Hinrichtungsraum – von der Decke bis zum wabenförmigen Fußboden. Dieser soll original aus der Zeit bis 1945 stammen. Das Muster und auch die Fiießenfarbe wirken für uns aber sehr ungewöhnlich bzw. „gewöhnungsbedürftig“. Beides erinnert uns mehr an die 1970-er-Jahre. Wie eingangs geschrieben: die Hallgeräusche im Raum müssen während einer Hinrichtung furchtbar geklungen haben.

War der schwarze Vorhang bis 1945 wirklich so hoch aufgehängt bzw. so lang? Ist die Vorhangstange original? Das Auf- und Zuziehen vor und nach jeder Hinrichtung stellen wir uns bei dieser Vorhanglänge umständlich vor. Bis 1945 war die originale Vorhangstange wohl auf halber Höhe angebracht. Der Blick auf das Fallbeil wäre auch so verdeckt gewesen.