Kathedralen I (Reims, Laon, Beauvais, Paris, Soissons). Geplant – Gebaut

Rekonstruieren der (West-)Fassaden und Baukörper – Geplant und gebaut

Wir werden in 2019 insgesamt acht französische Kathedralen besuchen. Ziel: Die Bauten persönlich zu erleben und um Bildmaterial zu sammeln. Wir zeigen den geplanten Bauzustand dieser wunderschönen Kirchen. Aktuell wirken sie häufig wie Bauruinen. Deutschland schaffte es im 19. Jahrhundert, mehrere Dome und Münster (Köln, Regensburg, Ulm) fertig zu bauen. Wir hassen kirchliche (Bau-)Ruinen. Auch die französische „Marotte“, Kirchtürme ohne Dach als etwas Schönes oder Gewolltes anzusehen, können wir nicht akzeptieren.

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Die Kathedrale von Reims mit dem geplanten Steindach (links) und mit den Hauben des Mittelalters (rechts) – jeweils im Vergleich zur aktuellen Optik.

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Blick in das Kircheninnere von Reims – in Richtung der Westfassade.

Links die Ansicht der Kathedrale von Laon von Süden. Rechts die ideale bzw. von uns rekonstruierte Ansicht der Kathedrale von Süden – mit allen sechs Türmen und dem Vierungsdach. Wir flogen jeweils mit einer Drohne. Die Form und Höhe der Turmdächer ist historisch gesichert. Auch die Tatsache, dass es sich um mit Blei bedeckte Holzkonstruktionen handeln muss. Ein Steindach hätte die am Dachansatz filigranen Türme statisch nie tragen können.

Links Zeichnung eines Turms um 1230, mittig eine Gravur aus dem Jahre 1843, Rechts ein Foto aus 2019.

Die Kathedrale zeigt im Innern noch leicht den Geist der Romanik (schwere, geduckte Säulen). In der späteren französischen Hochgotik zogen die Säulen schlank in den Himmel.

Kathedrale von Beauvais: Links der Jetzt-Geplant-Vergleich – mit der fehlenden Baumasse. Rechts die aktuelle Optik. Wir flogen vor Ort mit einer Drohne.

Kathedrale von Beauvais: Links der Blick auf den Ostchor der Kathedrale. Mit rund 48,5 Metern besitzt die Kathedrale das weltweit höchste Kirchenschiff. Mittig ein Blick auf die massiven Stützen aus Holz. Rechts der Blick auf ein wunderschönes Glasfenster aus dem frühen 13. Jahrhundert. Seit rund 800 Jahren existiert dieses Kunstwerk.

Links die Optik der Kathedrale. Mittig mit den geplanten Dächern. Rechts ein Aufriss um 1900.

Anmerkungen zum Brand der Kathedrale am 15./16. April 2019:
Die Kathedrale ist wohl viel stärker zerstört, als es auf den ersten Blick auffällt. Das Löschwasser (mit seinen Chemikalien) steckt in den Wänden – und im Boden. Durch die hohen Temperaturen des Feuers verglühten wohl viele Steine der obersten Lagen am Dachansatz. Durch das Löschen bzw. Herunterkühlen der kochend heißen Steine sind diese im Innern wohl zerstört worden. Auf den ersten Blick sieht man das nicht. Ein neues Dach kann man darauf aus statischen Gründen wohl nicht errichten. Diese Steine müssen neu gesetzt werden.

Dass das metallene Gerüst um die Vierung der Kathedrale nach Monaten immer noch nicht entfernt wurde, spricht für unsere Vermutung –und die statischen Probleme im Mauerwerk.
Dass der Dachstuhl über keinerlei Sprinkler-Elemente verfügte, macht uns sprachlos. Mit Kleinmengen an versprühtem Wasser hätte man jeden Kleinbrand sofort ersticken können.

Kathedrale von Soissons: Der jetzige Anblick der Westfassade (links) ist nicht schön: eine schlimme Bauruine. Mittig eine Montage, die beide Türme zeigt. Rechts unser Vorschlag für eine Rekonstruktion: die Türme sind sehr massig ausgeführt. Aus unserer Sicht waren daher ursprünglich Steindächer geplant. Und wir zeigen den offenen Fensterbereich über den Türen mit den früheren Glasfenstern sowie den früheren Figurenschmuck. Beides wurden ein Opfer der Kriege und den Wirren der „Französischen Revolution“.

Hier der Panoramablick in die Kathedrale (von Ost nach West): links das architektonisch wunderschöne Triforium; eine halbrund ausgeformte Wölbung im Kirchenschiff. In der Mitte ist die Holzabdeckung für die durch einen Orkan zerstörte Fensterrose zu sehen. Rechts der dem Triforium gegenüber liegendem Bereich.

Im ersten Weltkrieg wurde die Kathedrale durch Artilleriefeuer massiv zerstört. Diese Wunden sieht man der Kirche auf den ersten Blick nicht an.