Kathedralen II ( Sens, Troyes, Bourges, Auxerre, Straßburg). Geplant – Gebaut

Rekonstruieren der (West-)Fassaden und Baukörper – Geplant und gebaut

Wir sind die ersten, die einen neuen Blick auf die bekanntesten, aber leider nie fertig gestellten französischen Kathedralen zeigen. Es war in 2019 immer wieder ein Erlebnis, die Bauwerke mit eigenen Augen zu sehen – und auch der Moment des Betretens durch die typisch rote Eingangstüre war jedes Mal spannend. Unser ganzer Respekt gilt den damaligen Menschen und Architekten. Nur mit dem Senklot, dem 90 Grad-Winkel, dem Rechenschieber und einer gehörigen Portion menschlicher Intelligenz wurden diese Kunstwerke geschaffen.

Alle in 2019 recherchierten Kathedralen sind 1:1 nebeneinander gestellt. Vergleichsmaß: 68 M.

V. l. n. r.: Bourges, Paris, Beauvais, Troyes, Sens, Noyon, Reims, Laon, Soissons, Auxerre und Straßburg (bis 1684 ein deutsches Gotteshaus bzw. „Münster“). Als Vergleichsmaß setzten wir die Turmhöhe von Paris mit 68 Metern an.

Kathedrale von Sens: links die aktuelle Optik. Mittig der von uns rekonstruierte geplante Bauzustand. Rechts eine grafische Darstellung der Kathedrale im optischen Größenvergleich.

In der Kathedrale von Sens ist der Geist und die Gläubigkeit des 12./13. Jahrhundert noch zu spüren. Ein Teil der Glasfenster stammt aus der Zeit vor 1250. Das Blau war damals der vorherrschende Farbton. Keine schlimmen Barock-Zutaten im Innern, die alles verschandeln.

Kathedrale von Troyes: links die aktuelle Optik. Mittig der von uns rekonstruierte geplante Bauzustand. Rechts eine grafische Darstellung der Kathedrale im optischen Größenvergleich.

Auch in der Kathedrale von Troyes  ist das 12./13. Jahrhundert spürbar. Die Gotik ist ein zeitloser Baustil – der den Geist vieler (Groß-)Städte in ganz Europa nach wie vor bestimmt.

Kathedrale von Bourges: links die aktuelle Optik. Mittig der von uns rekonstruierte geplante Bauzustand. Rechts eine grafische Darstellung der Kathedrale im optischen Größenvergleich. Der rechte, original erhaltene Turm strahlt eine gewisse Instabilität aus. Er wirkt „dünn“ hochgezogen. Deshalb wurden die Turmspitze nie gebaut. Der frühere linke Turm der Westfassade stürzte im 14. Jahrhundert ein – und wurde massiger neu errichtet. Nach unserer Meinung auf Höhe des ursprünglich geplanten Dachansatzes.

Im Innern der Kathedrale von Bourges gibt es im Chorumgang eine knappes Dutzend an erhaltenen Glasfenstern aus dem frühen 13. Jahrhundert. Der Blauton ist sehr schön – aber in dieser Masse fast einen Tick zu dominant bzw. „erschlagend“. Ein Wunder, dass diese Fenster während der Wirren bzw. Verwirrungen der „Französischen Revolution“ nicht zerstört wurden – der Respekt vor der Schönheit dieser Fenster war wohl doch zu groß.

Der Blick in das Innere in Richtung der Westfassade – in Richtung der Westfassade.

Kathedrale von Auxerre: links die aktuelle Optik. Mittig der von uns rekonstruierte geplante Bauzustand. Rechts eine grafische Darstellung der Kathedrale im optischen Größenvergleich. Die fertige Turm ist sehr massiv gebaut. Wir gehen deshalb von einem Steindach aus.

Der Blick in das Innere der Kathedrale von Auxerre: links der Blick in Richtung der Westfassade, mittig in Richtung des Chores, rechts zwei Glasfenster. Die Architektur ist perfekt gotisch: schlanke, hohe Säulen und ein dem Himmel entgegen strebendes Dach.

Kathedrale (bzw.) Münster von Straßburg: links die aktuelle Optik. Mittig der von uns rekonstruierte geplante Bauzustand. Rechts eine Rekonstruktion des wohl eigentlich geplanten Bauentwurfs. Die Turmhöhe mit Dächern hätte den Maßen vergleichbarer französischer Kathedralen entsprochen (ca. 80-90 Meter). Ganz rechts eine grafische Ansicht der ursprünglich geplanten Kirche. Die Proportionen sind mit französischen Kathedralen vergleichbar.
Eigentlich zählt das Münster von Straßburg nicht zu den „französischen Kathedralen“. Bis 1684 gehörte Straßburg zum damaligen Deutschland.