„Weiße Rose“. Hinrichtungsraum im Gefängnis Stadelheim. 1943/1958

PRESSEFOTO1: Hinrichtungsraum 1943 – 2,45 MB jpeg
PRESSEFOTO2: Hinrichtungsraum 1958 (Garage) – 2,63 MB jpeg
PRESSEFOTO3: Hinrichtungsraum 1943 (mit Vorhang) – 1,53 MB jpeg
PRESSEFOTO4: Hinrichtungsraum 1958 (mit rechter Wand) – 2,20 MB jpeg


Zum 75. Todestag von Sophie und Hans Scholl sowie von Christoph Probst am 22. Februar 1943 ist nun erstmals ein Blick in den kompletten Hinrichtungsraum (1943 u. 1958) möglich.

Wie viele Bücher wurden seit 1945 zur Geschichte der „Weißen Rose“ geschrieben? Wie oft wurden die letzten Minuten der drei wohl bekanntesten Mitglieder vor ihrem Tod beschrieben?

Bisher konnte aber nie der Raum gezeigt werden, in dem die Todesurteile vollstreckt wurden. Wie sah er aus? Wo stand die Enthauptungsmaschine vom Typ „Mannhardt“? Wo genau im Raum befand sich der Stahlträger für die Erhängungen?

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Auf der Basis von Filmaufnahmen des „BR“ (Bayerischer Rundfunk) aus dem Jahre 1958 ist nun erstmals ein Panoramablick in den Hinrichtungsraum möglich. Fehlende Teile der Wände, der Fenster und des Fußbodens wurden am Computer ergänzt. Wir verweisen auf §24 UrhG (Werke mit einer neuen „Gestaltungshöhe“ sowie „Abstand“ zum Originalbild).

Neben einer Innenansicht des Hinrichtungsraums „Stand: 22.2.1943“ – inklusive der verwendeten Hinrichtungsmaschine vom Typ „Mannhardt“ und dem Stahlträger für Erhängungen – zeigen wir den Raum auch „Stand: 27.3.1958“ mit seinen nach 1945 erfolgten Umbauten bzw. Veränderungen. Die beiden Türöffnungen wurden zugemauert. Der Raum durch den Einbau eines Garagentores als Kfz-Werkstatt umfunktioniert. Dies ist gesicherte Sachlage – und keine Erfindung oder willkürliche Ergänzung. Um 1966 herum wurde der Hinrichtungsraum mit dem direkt angeschlossenen Garagentrakt für einen Gefängnisneubau abgerissen.

Neben diesen drei Mitgliedern der „Weißen Rose“ wurden knapp 1.400 weitere Menschen in diesem Raum enthauptet oder erhängt. Auch daran wollen wir erinnern.

Bisher existierte vom Hinrichtungsraum in Stadelheim nur eine Fotografie aus dem Jahr 1956 mit dem stark eingeschränkten Blick auf eine Ecke des Raums. Zum Zeitpunkt 22.2.1943 befand sich nach unseren Recherchen hier der Platz für den Staatsanwalt und den Gefängnisdirektor; diese saßen an einem oder mehreren Tischen.

Zum Raum selbst: Laut Quellenlage und eigener Recherchen war dieser rund 12 m lang und 4 Meter breit. Höhe: ca. 4 m. Aus Backstein gemauert und im Innern mit Kalkputz versehen. Der Fußboden bestand wie in Plötzensee aus dunklem Estrich. Ein Vorhang verdeckte den Blick auf die Fallschwertmaschine.

Wir, die Galerie REKONQUISTA aus Nürnberg, sind erneut die ersten, die auch zu diesem Kapitel deutscher Geschichte neues Bildmaterial beitragen können.


Der Blick in den Hinrichtungsraum. Stand: 22.2.1943. Mit der Enthauptungsmaschine und dem aufgezogenen schwarzen Vorhang. An der Decke der Stahlträger für Erhängungen. Links hinten ein Handwaschbecken. Vorne der Tisch für den Staatsanwalt, den Gefängnisdirektor und den Gefängnisarzt.

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Der Blick auf den zugezogenen schwarzen Vorhang. In dieser Optik sahen die Mitglieder der „Weißen Rose“ sowie weitere rund 1.400 Menschen den Raum das erste Mal.

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Der Blick in den Hinrichtungsraum. Stand: 27.3.1958. Die beiden Türöffnungen wurden nach 1945 zugemauert. Die beiden Fenster an der Schmalseite durch zwei Garagentorflügel ersetzt. Auf die vormals kalkverputzte Wand kam halbhoch eine wasserabweisende Farbe. Der Hinrichtungsraum wurde nach 1949 als Kfz-Werkstatt genutzt. Der Stahlträger für Erhängungen diente später zum Hochziehen von Kraftfahrzeugen.


Panoramablick in den Hinrichtungsraum. Stand: 27.3.1958. Die Wand rechts war fensterlos. Parallel daneben befand sich ein Garagentrakt mit sechs Sektionen und jeweils identischer Raumgröße.

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Der Raum „Stand: 22.2.1943“ nun mit roten Kontroll-Linien und Figuren im Maßstab 1:25. Die Linien wurden parallel gespiegelt. Eine Figur ebenfalls. Das Waschbecken mit seiner Beckenhöhe dient als guter Vergleichsmaßstab. Die richtige Höhe der Enthauptungsmaschine lässt sich über die Figur (ca. 1,75 m real) gut ermitteln.
Zum Ermitteln der richtigen Höhe der Figuren im Verhältnis zur Fensterfront nutzten wir auch das bekannte (und einzige reale) Foto des Hinrichtungsraums in Stadelheim (um 1956 herum); siehe Internet.

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Der Raum „Stand: 27.3.1958“ ebenfalls mit Kontroll-Linien und Musterfiguren.
Interessant: die Höhe der wasserfesten Farbe an der Wand entspricht in etwa einer männlichen Durchschnittsgröße von 1,75 m. Dies haben wir nicht „hingefummelt“, sondern ist ein Ergebnis der Raum-Rekonstruktion.